Schule & Migration

Von Kindern war eigentlich nie die Rede gewesen. In der Idealvorstellung kamen sie im Zusammenhang mit „Gastarbeitern“ gar nicht vor. Die Idee, dass die angeworbenen ausländischen Arbeitskräfte – jung, ledig, männlich – den Bedarf an Arbeitskräften decken und nach getanem Job wieder in ihr Herkunftsland zurückkehren sollten, ließ die Frage nach Kindern nichtösterreichischer Herkunft und nichtdeutscher Muttersprache zunächst gar nicht erst aufkommen.

Der einsetzende Famliennachzug stellte das Prinzip „Eine Gesellschaft, eine Sprache“ jedoch nachhaltig in Frage und veranlasste zahlreiche westeuropäische Anwerberstaaten, auch Österreich, spezifische schul- und bildungspolitische Angebote für Kinder von Zuwanderern einzurichten.

Bereits 1972 wurde erstmals für Österreich in Vorarlberg ein „muttersprachlicher Zusatzunterricht“ für Gastarbeiterkinder in serbokroatischer, slowenischer und türkischer Sprache eingeführt. 1974 wurde eine eigene österreichisch-jugoslawische Expertenkommission für Schulfragen ins Leben gerufen (1976 folgte eine weitere bilaterale Kommission mit der Türkei), die über Aspekte der Erziehung von Kindern jugoslawischer Staatsbürgerschaft beriet. Ihr vollständiger Name „Expertenkommission für den Unterricht der Kinder von zeitweilig in Österreich beschäftigten jugoslawischen Arbeitnehmern“ verriet die eigentliche Intention der muttersprachlichen Bildung von damals: Kindern solle eine Grundlage für eine Reintegration in das Schulsystem des Herkunftslandes ihrer Eltern geboten werden. (Vgl. Volf, Patrik/Bauböck, Rainer: Wege zur Integration, Was man gegen Diskriminierung und Fremdenfeindlichkeit tun kann, Drava-Verlag, Klagenfurt, 2001. S. 177f)

Die österreichischen öffentlichen Schulen sind unabhängig von der Staatsbürgerschaft und der Sprache zugänglich (§4 Abs. 1 SchOG). Die allgemeine Schulpflicht gilt für alle Kinder, die sich dauerhaft in Österreich aufhalten (§1 SchPflG) und alle anderen Kinder sind berechtigt, eine öffentliche Schule zu besuchen (§17 SchPflG).

An den österreichischen Schulen sind SchülerInnen aus rund 140 verschiedenen Staaten vertreten. Begonnen hat diese Entwicklung Ende der 70er Jahre, als der Anteil der Kinder nichtösterreichischer Staatsbürgerschaft bzw. jener von Kindern ohne deutsche Muttersprache kontinuierlich anzusteigen begann.