Orientierungsforum – "ich weiß etwas, was du nicht weißt und das ist …"
Die gesellschaftliche Integration der MigrantInnen bleibt weiterhin eine große politische Aufgabe. Sie kann nur bei Toleranz auf allen Seiten und gegenseitiger Akzeptanz gelingen. Dies sind auch notwendige Voraussetzungen, um neue bildungs- und kulturpolitische Bemühungen zur Sicherung der Chancengleichheit von in Österreich und in Tirol lebenden MigrantInnen zum Erfolg zu führen.

Aus diesen Überlegungen heraus möchten wir Migrantenjugendlichen die Möglichkeit eröffnen, sich intensiv mit den Zusammenhängen der gesellschaftspolitischen als auch kulturellen Grundgedanken in Tirol auseinander zu setzen, mit dem Ziel, das gesellschaftliche und kulturelle Umfeld ihrer „Neuen Heimat“ kennen zu lernen.

Das Orientierungsforum besteht aus vier Modulen mit folgenden Themen:

Politische Bildung für Jugendliche mit Migrationshintergrund
Das Seminar zu diesem Thema fand am Freitag, den 7. Mai 2004 statt und wurde durch ein Impulsreferat vom Politologen A. Univ. Prof. Mag. Dr. Reinhold Gärtner eröffnet. Dabei hatten die Jugendlichen die Möglichkeit vertiefende Fragen zu stellen und in einer Diskussionsrunde die Meinung eines Wissenschaftlers einzuholen. Am 12. Mai besuchten die jugendlichen TeilnehmerInnen des ersten Moduls den Tiroler Landtag. Dabei hatten sie die Gelegenheit wie die Theorie, die sie am Freitag gehört haben, in die Praxis umgesetzt wird. So konnten sie die Beschließung der Novelle des Naturschutzgesetzes von 1997 miterleben.

Rechtsextremismus, Antirassismus und Intoleranz
Gemeinsam mit österreichischen Jugendlichen sollen die jugendlichen MigrantInnen einleitend über Formen und Ideologien des Rechtsextremismus und Antirassismus aufgeklärt werden um anschließend über die Folgen und Auswirkungen zu diskutieren. Die Aufarbeitung wird in Form von Rollenspielen erfolgen und danach wird gemeinsam versucht,
Maßnahmen gegen Rechtsextremismus in Kleingruppen zu erarbeiten. Dabei sollen sie auch Argumentationshilfen bei ausländerfeindlichen Diskussionen üben und anwenden (Forumtheater gemeinsam mit dem Jugendrotkreuz).

Religion, Tradition, Kultur
In diesem Seminar werden Migrantenjugendlichen ein weitreichender Einblick in die jeweiligen Religionen ermöglicht, um vorherrschende gegenseitige Vorurteile abzubauen. Da Tradition und Religion eng beieinander liegen, und diese beiden Begriffe oft verwechselt oder unterschiedlich begriffen werden, ist die Einführung der Jugendlichen in die verschiedenen Religions- und Traditionskulturen für das Verständnis sehr wichtig.

Sexuelle Aufklärung von Jugendlichen
unter Beachtung der kulturellen und religiösen Gegebenheiten In diesem Modul soll eine Aufklärung unter besonderer Beachtung der Kulturen und Religionen angeboten werden. Dabei wird eine Ärztin mit eigenem türkischen Hintergrund den Mädchen behutsam die eigene Weiblichkeit und Sexualität nahe bringen und eine Überleitung in den Malworkshop herstellen. Ergänzend hierzu soll in Form eines Schreibworkshops Zugang auf die emotionale Ebene gewährt werden. Das Modul wird geschlechtsspezifisch getrennt werden, um einen leichteren Zugang ohne Scham und Peinlichkeit zu der Thematik zu ermöglichen. Den männlichen Jugendlichen wird selbstverständlich derselbe offene Zugang zur Thematik unter der Leitung eines männlichen Referenten ermöglicht.

 

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